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Von Georgia nach Maine: natürlich zu Fuß

Der Appalachian Trail ist einer der längsten Wanderwege der Welt und eine Legende. Wer sich der Herausforderung seiner 3508 Kilometer durchs Appalachengebirge stellen will, startet am Springer Mountain in Georgias Bergland der Northeast Mountains.        

Ist man ein "Day-hiker", ein "Section-hiker", ein "Flip-flopper"? Oder gar ein "Thru-hiker"? Der "Day-hiker" sucht sich ein Wegstück des Appalachian Trail aus und erlebt es auf einer Tagestour. Der "Section-hiker" durchwandert die einzelnen Teilstücke der Reihe nach auf mehreren Touren. Der "Flip-flopper" geht die Teilstücke in eher loser Reihenfolge und ist ein Meister des Timing. Stoßzeiten gilt es zu meiden, den Winter und den Hochsommer sowieso. Die "Thru-hiker" sind die wahren Helden des Wanderschuhs: Sie marschieren den kompletten Trail in einem Stück. Das kann gut und gerne sechs Monate dauern. Gewöhnlich starten sie in Georgia im warmen Frühling, wenn es im Norden noch kalt ist, und gehen dem nicht ganz so heißen Yankee-Sommer entgegen. Nur wer sich als ganz harter Kerl beweisen will, macht es anders herum. Wer schlau ist, fängt in Georgia an.

Startpunkt der Route ist der Springer Mountain, nahe dem Amicalola State Park. Die 124 Kilometer des Georgia-Segments vom Appalachian Trail verlaufen durch den Chattahoochee National Forest; von dann an geht es weiter nach North Carolina. Entlang des Teilstück in Georgia findet man elf Wanderhütten. Unter diesen dreiwandigen Überständen rollen Wanderer ihren Schlafsack aus und schlafen auch bei Regen trocken. Platz ist für vier bis sechs Personen; die Benutzung kostet nichts. Man muss eben nur vor den anderen dasein, denn sonst heißt es weiterwandern bis zum nächsten "Shelter". Oberste Regel: Alles sauber halten! Die echten "Thru-hiker" sparen sich das Packgewicht für ein Zelt, denn entlang des Trail bieten gut 250 dieser Einfachsthütten Unterschlupf.  

Die erste Erleuchtung der Appalachian-Trail-Neulinge heißt dann auch: Weniger ist mehr! Das Personal des Mountain Crossings at Walasi-yi Outfitters Store nahe Neel's Gap amüsiert sich regelmäßig, aber mitfühlend über Wanderer, die nach den ersten gut 30 Meilen knurrend die viel zu schweren Rucksäcke ausmisten. Unterhalb des Shops bietet sich die Gelegenheit, den einzigen überdachten Teil des ganzen Appalachian Trail zu durchwandern: einen etwa fünf Meter langen Durchgang durch ein Steinhaus. Nun, der Rucksack ist endlich wandertauglich, führt der Weg immer weiter Richtung Norden: weg vom Puls der Zeit und hin zum Herzschlag der Natur, zu sich selbst und zu dem, was im Leben wirklich zählt. Da werden plötzlich trockene Socken oder eine Tasse heiße Schokolade zu einem echten Erlebnis. Besonders wichtig ist die Begegnung mit anderen Wanderern. Man tauscht sich aus und schaut gemeinsam eine Runde "backpacker's TV". Das ist Trail-Englisch und bedeutet, dass man zusammen am Lagerfeuer Marshmallows röstet und irische Kneipenlieder singt. Dann fühlt man, was hier "Trail magic" heißt: Völlig Fremde treffen sich und helfen einander dabei, ihr Ziel zu erreichen. So lautet das Fazit vieler "Thru-hiker" über den Sinn und Zweck der Reise: "Ein Tag auf dem Trail bringt mehr, als ein Jahr auf der Couch beim Psychiater!".     

Der Weg zurück zu sich selbst - das war schon die Idee des Appalachian Trail anno 1921, als der Förster und Philosoph Benton MacKaye aus Massachusetts ihn ins Leben rief. Er hatte das Gefühl, den Menschen des 20. Jahrhundert fehle das Selbstbewusstsein, der Pioniergeist und das Verständnis für die Natur der alten Siedler. Es dauerte zwar noch bis 1937 bis der Pfad in seiner vollen Länge eingeweiht war, doch die Philosophie sollte dann noch länger, nämlich bis heute dieselbe bleiben. MacKaye hatte ganz klar den richtigen Riecher, denn der Appalachian Trail zieht immer mehr "Thru-hiker" an. In den 1940ern wanderten ganze drei Menschen den Trail vom Anfang bis zum Ende. In den 1970ern waren es 760 und im neuen Jahrtausend bis 2009 sagenhafte 5839. Darunter waren Menschen vieler Nationen und fast jeden Alters. Der älteste "Thru-hiker" überhaupt war 81 Jahre, der jüngste gerade mal sechs Jahre alt. Man hat also theoretisch 75 Jahre, sich aufzuraffen. Am besten aber nicht mehr lange warten, sondern jetzt anfangen zu planen!

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