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Das Geheimnis des "Spanish Moss"

Wenn die Eichen Schleier tragen! Und zwar aus Spanish Moss. Wie kann es sein, dass eine Pflanze ganz ohne Wurzel gedeiht? Dieses Moos, das keines ist, lebt von Luft. Und vielleicht auch von Liebe. Zumindest ranken sich darum viele Geschichten.

Auf der Veranda eines schönen Bed & Breakfast sitzen, einen kühlen Mint Julep in der Hand, während der Wind in den Ästen einer knorrigen Eiche das Spanish Moss sanft streichelt. Dies ist der Inbegriff der Südstaaten und vor allem ihrer romantischen Städteperle Savannah. Was aber hat es mit diesem Gewächs auf sich, das bis zu acht Meter lang büschelig von den Bäumen hängt? Und warum "Spanisch"?

Spanish Moss

Die Franzosen sind Schuld. Sie nannten die Pflanze "Spanischer Bart", und das war ein Stinkefinger an den Eroberungs-Rivalen aus Spanien. So wuschelig wie die Bärte der Conquistadores eben, die in den Augen der feinsinnigen Gallier nicht sehr zivilisiert waren. Die Spanier hatten bis dahin von "Hexenhaar" gesprochen. Die beiden korrekten deutschen Namen, "Bartflechten-Tillandsie" oder "Louisiana Moos" hatten niemald wirklich eine Chance. Weder phantasievoll noch gehässig genug! Ohnehin hat diese Pflanze mit Moos nun wirklich rein gar nichts zu tun. Wie die Botaniker uns glauben machen, ist sie eher mit der Ananas verwandt. Sie braucht keine Wurzeln, und sie zapft auch nicht den Wirtsbaum an, sondern holt sich alles zum Leben aus der Luft.

Spanish Moss

Von South Carolina bis hinunter nach Argentinien und Chile findet man das Spanish Moss. Es gedeiht aber besonders schön an der Küste Georgias", sagt Conny Cottingham von Pflanzenexpertin und Beraterin des Botanischen Garten des Staates Georgia in Athens. Meist bräunlich-gräulich, nur selten tiefgrün – manche spektakuläre Gewächse haben ganz andere Farben.

Spanish Moss im Okefenokee Swamp

Die frühen Einwanderer aus Europa stopften mit Spanish Moss ihre Kissen und Matratzen. Wie geschaffen dafür erschien ihnen die kühlende und atmungsaktive Pflanze. Dummerweise aber hausen in ihr kleine Insekten, die gerne mal die Schlafenden zwicken. Noch heute enden viele Gutenacht-Geschichten mit den Worten: "Don't let the bedbugs bite you". Gemeint sind diese gemeinen "Critters". Der autobauer Henry Ford wusste das auch nicht, als er sich die Füllung für Autositze von den Bäumen holte. Das führte zu Juckattacken am Steuer des Model T. Der gute Henry war eben ein ahnungsloser Nordstaatler.

Ganz besonders schönes Spanish Moss hängt an den Eichen der 22 alten Stadtparks von Savannah, von denen gepflasterte Straßen abgehen. Und dort lässt man es heutzutage auch, denn zum Stopfen von Kissen gibt es längst Besseres.

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