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Themen-Special

Cumberland Island: Traumstrand für alle

Im äußersten Süden Georgias bezaubert Cumberland Island mit Dünenwäldern und weiten Marschen. Vor allem aber kennt man das Naturschutzgebiet wegen seines Sandstrands. Wer es stilvoll mag, übernachtet im Greyfield Inn, der ehemaligen Inselresidenz der Carnegies und einzigen Herberge. Naturfreunde zelten für 4 Dollar pro Nacht - und gehen vom Ersparten im Greyfield Inn fein essen. Dafür brauchen sie eine Plastiktüte.

Die Golden Isles nahe der Staatsgrenze zu Florida tragen ihren Namen zu recht. Goldgelb schimmert der puderzuckerweiche Sand an breiten Stränden. Jekyll, St. Simons, Little St. Simons und Sea heißen die Schwesterinseln. Zusammen mit Little St. Simons zählt Cumberland sicherlich zu den naturbelassensten des goldenen Inselschatzes vor Georgias warmer Atlantikküste: ein Wald voller knorriger, von Spanish Moss verschleierten Eichen bedeckt die 28 Kilometer lange und 70 Quadratkilometer große Insel. Durchs Unterholz stromern wilde Truthähne. Die einzigen Autos, die sich über die sandigen Wege wühlen, sind die der Nationalparkverwaltung und der Inhaber ganz weniger Ausnahmegenehmigungen. Ansonsten begegnet man auf diesen Wanderrouten eher Wildpferden. Sie sind wirklich wild, sich ganz allein überlassen. Allzu große Zutraulichkeit mögen sie nicht. Der Leiter einer Jugendgruppe hat einem der Tiere aus Übermut in die Nüstern gepustet. Das Ergebnis: ein Tritt ins Gesicht; zum Glück musste der Pferdenarr nur für eine Nacht ins Krankenhaus auf dem Festland; dann war er wieder bei seiner Gruppe. Peinlich war's ihm aber doch.

Auf der Landseite bestimmen weite Marschen das Landschaftsbild. Hier bekommt man auch Alligatoren zu sehen. Auf der Seeseite dann: dieser Strand! Lange Holzbohlenwege führen aus dem Wald an die ostwärts gelegene Küste. Zunächst führt der Weg durch einen mehrere hundert Meter breiten Dünenstreifen. Über die Bohlen huschen Eidechsen, und des nachts verbuddeln Meeresschildkröten ihr Gelege im Sand. Schilder kennzeichnen diese Stellen und bitten darum, Taschenlampen ausgeschaltet zu lassen, denn sonst könnten sich die Tiere verirren. Der Strand selbst ist flach, reicht links und rechts bis zum Horizont, und ist noch breiter als das Dünengelände im Rücken. Wo der Sand trocken ist, sinken die Füße knöcheltief ein. Die feuchten Stellen sind fest; ideal für Jogger auf einer der schönsten Strecken der Welt. Mit etwas Glück begleiten Delfine die Jogger ein Stück. Cumberland Island ist einer der nur zehn National Seashores: der schönsten Küsten in den USA unter dem Schutz des amerikanischen Kongresses und damit in der Obhut der Nationalparkverwaltung.

Versteckt im Eichenwald liegt der Zeltplatz Sea Camp: direkt am Beginn eines der Bohlenwege zum Meer. 16 Plätze für Zelte gibt es dort, und man darf bis zu sieben Nächte in Folge bleiben. Die Nationalparkverwaltung hat kleine Käfige aufgestellt: nicht etwa, um Tiere einzusperren, sondern um Ungemach zu verhindern. Nur so schafft man es nämlich, die Waschbären vom Proviant fern zu halten. Einfache, aber umso sauberere Sanitäranlagen stehen bereit. Natürlich duschen heißt hier natürlich kalt duschen. Wem das alles zu komfortabel ist, schlägt sein Zelt auf einem der vier Backcountry Campsites auf. Das kostet dann nur 2 Dollar pro Nase, von Waschbären ausgeplündert werden inklusive. Und obwohl man nirgendwo einen Abfallkorb findet, ist die ganze Insel absolut frei von hässlicher Hinterlassenschaft. Die Rangerin Nancy erklärt, warum: "Jeder nimmt das, was er bringt, auch wieder zurück." So einfach kann das gehen. 

Bob ist mit seiner Frendin Sue aus New York für ein Wochenende in die unberührter Inselnatur gefahren. An einem Baum auf dem Zeltplatz hängt Garderobe, die nicht so recht in die Landschaft passen will: ein Jackett. Was es damit auf sich hat? "Wir gehen heute abend essen ins Greyfield Inn", sagt Bob. "Das geht nur mit Sakko." Und deshalb hat er eines in einer Plastiktüte mitgebracht, das sich jetzt erstmal in der feuchten Meeresluft aushängt.

Bob ist kein Pfennigfuchser; er bringt nur die besten Seiten der Insel zusammen: Wilde Natur und feinsten Stil. Die 45-minütige Überfahrt mit dem Schiff der Nationalparkverwaltung von St. Mary's kostet nur 20 Dollar - für Kinder sind es 14 und für Rentner 18 Dollar - und die Übernachtung wie gesagt nur vier Dollar. Da bleibt genug übrig, um zu schlemmen wie einst die Carnegies. Die nämlich ließen das Greyfield Inn im Stil einer Südstaatenvilla bauen. Heute ist der Inselpalast ein Bed-and-Breakfast-Hotel mit einem vorzüglichen Restaurant. Man blickt auf die Marschen landeinwärts, vor den Säulen des Eingangs breiten besonders mächtige Eichen ihr Geäst bis auf den Boden aus. Kostbare Teppiche in den Salons und edle Gemälde an der Wand. Die Zimmer sind nicht unbedingt billig, aber für einen normalen USA-Reisenden durchaus erschwinglich, zumindest als Höhepunkt einer Südstaatenreise. Ab 475 Dollar pro Nacht einschließlich aller Steuren und Gebühren bekommen zwei Personen dreimal am Tag Feinstes zu essen und genießen die Cocktails am Nachmittag. Die hauseigenen Biologen führen sie auf Exkursionen über die Insel. Und die insgesamt acht Dollar für die Überfahrt sparen sie sich, denn das Greenfield Inn hat ein eigenes Boot, mit dem es sein Gäste fährt. Und, keine Sorge, niemand muss zum Essen eine Krawatte tragen. Das Haus ist ein letztes Refugium nicht nur von Stil und Charme, sondern gleichermaßen von entspannter Atmosphäre. Viele Gäste hängen das Jacket dann auch schnell über die Stuhllehne. Das geht in Ordnung, nur erscheinen möge man bitte mit. Soviel Stil muss sein! 

 Cumberland Island ist ein Ganzjahresziel, ideal gelegen auf der Fahrt die Küste hinab nach Florida. Die Fähre der Nationalparkverwaltung verkehrt vom 1. März bis 30. November. Von Orlando sind es nur knapp drei Stunden bis zum Schiffsanleger für die Überfahrt, von Atlanta fünf Stunden, und von Savannah anderthalb. Die Überfahrt mit dem Nationalpark-Boot und Camping erfordern Vorab-Reservierungen.

Nur eine weitere Insel der Golden Isles neben Cumberland konnte ihr natürliches Erscheinungsbild ähnlich erhalten - Little St. Simons. Auch dort wohnt man in einem Komplett-Arrangement, wenngleich in einem anderen Stil, dem rustikaler Jagdhütten. Nur auf Cumberland aber hat jedermann Zutritt: auch zu einem der schönsten Strände der USA, und zwar selbst mit einem schmalen Geldbeutel. Das Jacket sollte man aber unbedingt mitbringen.

Nationalpark Cumberland Island National Seashore

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