Themen-Special
Das Restaurant der Seeräuber
Im Pirates' House in Savannah sponnen die alten Seeräuber ihr Seemannsgarn und arbeitsunwillige Seeleute nahmen ihren letzten Drink in Freiheit. Heute ist es eines der beliebtesten Restaurants der Stadt.
1733 gingen General Oglethorpe und seine Gruppe von Kolonisten im
heutigen Savannah an Land und begründeten die Stadt als kleines
Zeltlager. Zwanzig Jahre später war Savannah eine boomende Hafenstadt
und bekam mit dem Pirates' House auch gleich den passenden Szenetreff.
Hier kamen die Piraten und andere Seeleute hin, um zu erzählen, was sie auf den sieben Weltmeeren
erlebt haben. Die Geschichten zwischen Shanghai und San Francisco wurden
mit jedem Glas Rum spektakulärer und die Augen glasiger.
Schiffseignern, denen noch Hilfsmatrosen fehlten, kam das gerade recht. Wenn kräftige Seeleute vom Hocker fielen, trug man sie durch einen Tunnel, der im Rumkeller begann und am Hafen endete. Vom neuen Job erfuhren die Männer erst, als auf hoher See ein Eimer kaltes Wasser den Rausch beendete. Dieses Schicksal soll auch einen Polizisten aus Savannah ereilt haben, der während seiner Runde nur kurz einen Drink nehmen wollte und dann zwei Jahre brauchte, um wieder nach Hause zu kommen. Für diese Art der Rekrutierung unter den Brachialnautikern hatte man auch einen internationalen Fachbegriff: Die Neumatrosen wurden "shanghait".
Der Geschichte des Hauses tragen nicht nur der Name und die
Aufmachung Rechnung. Im Captain's Room und im Treasure Room hängen
eingerahmte Seiten einer sehr alten Edition von Robert Louis Stevenson
"Die Schatzinsel" an der Wand. Savannah findet in diesem Klassiker
Erwähnung und einige der Ereignisse aus dem Buch sollen sich sogar im
Pirates' House zugetragen haben. Der Legende nach hat hier der
Piratenkapitän John Flint mit seinem
letzten Atemzug nach einem Glas Rum gefragt. Dass Flints Geist in mondlosen
Nächten im Pirates' House umhergeht, versteht sich von selbst.
Das Pirates' House bewirtet seine Gäste heutzutage mehr mit gutem Essen als mit Rum. Natürlich gibt es dabei viele Köstlichkeiten aus dem nahen Meer. Neben eher europäischen Kreationen wie Zackenbarsch in Parmesankruste und Filet Mignon bietet das Haus, ganz der Region verbunden, auch die traditionelle Südstaatenküche. Green fried tomatoes (von kaum einer Speisekarte im Süden wegzudenken), Gumbo, She crab soup und Catfish. Wer einfach nur ein gutes Steak oder einen Burger möchte, ist hier ebenfalls richtig. Eine besondere Empfehlung ist das Honey pecan chicken mit Baked potatoe. Shanghait wird heute niemand mehr. Und doch sind nicht alle Gefahren gebannt: Der Banana bread pudding kann hoffnungslos süchtig machen.
Weitere Informationen, auch die Speisekarte, direkt beim Pirates' House.

